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März 14, 2015

Wandelbild: Film schreibt Geschichte

Cowspiracy - The Sustainability Secret

Diese Woche gibt’s ein Wandelbild, das man nicht mal eben in fünf Minuten ansehen und schon gar nicht verdauen kann. Sondern einen Dokumentarfilm namens Cowspiracy, der deine Aufmerksam einen ganzen Abend lang und sicherlich noch viele Tage danach fordert. Und der jeden zur Weltrettung inspirieren dürfte, der ihn sich ansieht

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Thema ist der enorme Einfluss, den die landwirtschaftliche Tierhaltung auf die Umwelt- und Klimaprozesse hat, mit denen wir uns heute auseinander setzen müssen, um noch ein Morgen erleben zu können. Und dass sich für dieses offensichtlich riesige Problem kaum jemand im öffentlichen Diskurs zu interessieren scheint, weil so ein Eingeständnis radikale Konsequenzen nach sich ziehen würde. Der Film beleuchtet Hintergründe, stellt viele, viele Fragen und sucht nach Antworten.

Die große Stärke von Cowspiracy ist es, dass er einerseits viele Informationen verständlich macht, aber gleichzeitig auch sehr persönlich ist.

Er bearbeitet riesige Zahlen, die schwer vorstellbar sind und versucht, ein komplexes Geflecht aus ineinandergreifenden Wirtschaftszweigen und ökologischen Problemen zu entwirren. Dafür benutzt er eine gute Struktur und vor allem richtig gute Visualisierungen. Das sind beeinduckende Filmaufnahmen der sichtbaren Ausmaße von Umweltzerstörung, aber auch diverse animierte Infografiken, die sich ins Gedächtnis graben und nicht wieder herauszubekommen sind. So sollte das sein mit der Datenvisualisierung!

Andererseits ist Cowspiracy auch eine Erkenntnisreise des Filmemachers Kip Anderson, auf der die Zuschauer ihn begleiten. Er startet seine Recherchen relativ unbedarft, genau wie die meisten Leute, die den Film sehen werden. Im Laufe der Dokumentation lernen und fragen und zweifeln wir ganz genau wie er, stolpern über Verschwörungstheorien und Ethik und Alltagssorgen und Machbarkeitsfragen. Und diese Kombination bringt das Anliegen von Cowspiracy so eindringlich und so überzeugend rüber.

Klar, er ist nicht perfekt. Über die Genauigkeit der Hochrechnungen kann man streiten, da sich je nach Herkunft der Studie die Zahlen etwas unterscheiden. Aber an der Kernaussage des Films ist nicht zu rütteln. Er ist stellenweise etwas US-amerikanisch blockbusterhaft (lasst euch nicht vom Trailer abschrecken), aber das passt ja auch zu seiner Message.

 

Cowspiracy hat das vermutlich wichtigste Problem des Jahrhunderts in anderthalb Stunden äußerst bewegend dargestellt – dafür gibts von mir großen Applaus. Ich kann nur ganz ausdrücklich empfehlen, ihn anzusehen: online, auf DVD oder bei einem der (leider noch recht seltenen) Screenings in Kinos, z.B. am 12. April in Berlin. Ja, natürlich auch mit deutschen Untertiteln.

Einige meiner liebsten Visualisierungen sind leider noch nicht im Internet zu finden. Mir wurde aber versprochen, dass die irgendwann nachkommen. Schaut auch die restlichen Filmschnipsel und die zugehörige Infografik an, wenn schon nicht den ganzen Film.